Kontraindikation bei Mediakamenten - Was ist Kontraindikation?

Was bedeutet Kontraindikation?

Eine ungünstige Nebenwirkung auf eine Zweiterkrankung besteht immer dann, wenn die Nebenwirkungen eines Medikamentes X zur Behandlung der Erkrankung 1 negative Auswirkungen auf Erkrankung 2 haben.

Ein Beispiel: Betablocker werden in der Behandlung der koronaren Herzerkrankung (Angina pectoris), nach einem Herzinfarkt, zur Therapie von Herzrhythmusstörungen und zur Behandlung des Bluthochdrucks und noch gegen viele weitere Erkrankungen mit großem Erfolg und häufig eingesetzt.
Eine Nebenwirkung der Betablocker besteht darin, die Muskulatur der Bronchien zu verkrampfen.
Wenn also jemand, der an einem Asthma bronchiale (Bronchialasthma) leidet, Betablocker einnimmt, wird er mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit Luftnot und einen Asthmaanfall erleiden.
Somit ist das Vorliegen einer Asthmaerkrankung eine Kontraindikation für die Gabe und Einnahme eines Betablockers.

Sie können als Laie nicht genau wissen und werden auch über Suchmaschinen im Internet nicht wirklich herausfinden, ob Medikament X und Medikament Y ungünstige Wechselwirkungen haben.
Zum einen gehört es in den pharmakologischen Teil des Medizinstudiums, alle wichtigen Wechselwirkungen zu kennen und bei der Verordnung von Medikamenten zu berücksichtigen. Die rote Liste, das dicke rot eingebundene Buch mit den vielen Seiten, das in kaum einem Sprechzimmer einer Arztpraxis fehlt (allerdings zunehmend auch durch entsprechende Computerprogramme, die kontinuierlich mitlaufen, ersetzt wird), gibt für jedes zugelassene Medikament die bekannten Wechselwirkungen an. So ist schon eine hohe Therapiesicherheit gewährleistet. Neu entdeckte Wechselwirkungen werden Ärzten durch die Fachpresse und entsprechende Bundesmitteilungen umgehend bekannt gegeben.
 
Dabei werden Sie bei einer Verordnung auch nach Unverträglichkeiten gefragt, es wird berücksichtigt, ob bei Ihnen Kontraindikationen für bestimmte Wirkstoffe vorliegen und Sie werden auf die wichtigsten Nebenwirkungen eines neuen Medikaments hingewiesen.

Wenn Sie dann mit Ihrer Verordnung in die Apotheke gehen, um das Medikament abzuholen, wird dort meist über ein weiteres Computerprogramm abgeglichen, ob sich diese neue Medikation mit den anderen Medikamenten verträgt oder ob Wechselwirkungen bekannt sind.

Diese doppelte Kontrolle erhöht die Therapiesicherheit und wäre in gutes Argument dafür, wenn Sie nicht nur eine gelegentliche Medikation in Form einer kleinen Schachtel Schmerztabletten oder eines selten eingenommenen Säureblockers gegen Sodbrennen benutzen, sich eine "Hausapotheke" auszusuchen und sich dort möglicherweise in die Kundenkartei aufnehmen zu lassen. So wäre gewährleistet, dass all Ihre Medikamente erfasst und auf die Verträglichkeit oder mögliche Wechselwirkungen hin doppelt abgeglichen werden.

Auswirkungen von Mehrfachmediaktion im Alter

Wenn wir Menschen nun weiter deutlich älter werden, verändert sich unser Stoffwechsel. Was dabei ganz genau passiert, wird in den Forschungsgruppen dieser Welt immer weiter und genauer erforscht, ist aber heute noch nicht in allen Einzelheiten bekannt und kann daher auch noch nicht gezielt auf das Thema "Medikamente im Alter" angewandt werden. Wenn, wie oben geschildert, nur 5 Medikamente eingesetzt werden sollen, um dem verlangsamten Stoffwechsel und vor allem der geringeren Aktivität von Enzymen, dem verlangsamten Abbau in der Leber und der verzögerten Ausscheidung über die Nieren Rechnung zu tragen, kann es ganz schön schwierig werden, die typischen Alterskrankheiten zu behandeln.

Wenn wir nun als Beispiel eine gut 80jährige Dame nehmen, bei der seit Jahren eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) bekannt ist, die an Schmerzen durch Verschleiß der Wirbelsäule und der Gelenke leidet und die vor 6 Monaten einen Herzinfarkt erlitten hat, in dessen Rahmen Bluthochdruck festgestellt wurde, zählen wir ganz schnell und ohne Probleme 8 bis 10 verschiedene Medikamente, die standardmäßig und leitliniengetreu angesetzt werden.

Das ist zum einen schon ziemlich viel und erfordert unter Umständen, dass eine Hilfestellung beim Zusammenstellen der täglichen Dosis an Medikamenten angeboten wird. Zum anderen können nun die Nebenwirkungen der einzelnen Medikamente erfordern, dass noch mehr Medikamente notwendig werden.

Nehmen wir einmal das Beispiel "Herzinfarkt" heraus:
Wenn unsere Beispielpatientin vor 6 Monaten einen oder mehrere Stents zur Behandlung Ihres Herzinfarkts erhalten hat, muss Sie unter Umständen monatelang die beiden blutverdünnenden Medikamente ASS (Aspirin) und Clopidogrel (Plavix, Iscover) einnehmen. Möglicherweise klagt nun unsere Dame im Beispiel über Magenschmerzen unter der ASS-Behandlung und es zeigt sich in einer Magenspiegelung ein kleines Magengeschwür. Dieses Magengeschwür müsste nun mit dem Wirkstoff Omeprazol oder Pantoprazol abheilt werden, sodass der Magen gesund und unsere Patientin wieder beschwerdefrei wird.

Unglücklicherweise gibt es nun eine Wechselwirkung zwischen Clopidogrel, dem für die Behandlung mit dem Stent unerlässlich wichtigen Blutverdünner und den Medikamenten, die den Magen abheilen, zu denen es keine echte Alternative gibt. Die Wirkung der Blutverdünnung wird verringert, wenn gleichzeitig diese oben geschilderten Magenmedikamente genommen werden. Was tun?
Eine ziemliche Zwickmühle und eine schwierige Situation, oder?
An dieser Stelle erfordert es Umsicht, ein wenig Fingerspitzengefühl und im Idealfall eine haus- und fachärztliche Behandlung, in der man sich schon länger kennt, um nun herauszuarbeiten, auf welches Medikament man am ehesten verzichten könnte. Inwiefern man durch weit auseinandergezogene Einnahmezeiten die Wirkung der unterschiedlichen Medikamente verbessern kann, wird ebenso überlegt wie die Idee, von der üblichen Leitlinie in der Behandlung nach einem Herzinfarkt abzuweichen und dieser Patientin kein weiteres ASS mehr zu geben, obwohl die lebenslange Gabe angezeigt wäre.

Ebenso wird man bei allen anderen Medikamenten, die gegen den oben willkürlich angenommenen Diabetes, den Bluthochdruck und die chronische Schmerzerkrankung eine gute Behandlung darstellen, kritisch überlegen, ob und was als unbedingt benötigte Medikation rezeptiert wird und was nicht.

So läge für die Pharmaka, die an sich zuverlässig gegen Knochenschmerzen helfen und sehr oft verordnet werden (Ibuprofen, Diclofenac), bereits wegen des Magengeschwürs eine Kontraindikation vor und wäre auch ohne dieses Geschwür eine Verordnung an über 80jährige Menschen kritisch zu hinterfragen, weil die bereits verzögert arbeitenden Nieren in ihrer Funktion noch weiter beeinträchtigt werden könnten.

Verhaltenstipps für Patienten

  • Regelmäßige medikamentöse Behandlung vor allem in höherem Lebensalter gehört sorgfältig ausgewählt und überwacht.
    Dazu braucht es eine gute Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient; denn nur mit dem Rezept ausfüllen ist es bei Weitem nicht getan! Gerade wenn Sie in jungen Jahren überhaupt kein Arztgänger waren und sich in Wartezimmern und bei Ärzten *irgendwie unbehaglich* fühlen, ist es wichtig, diese Gefühle anzusprechen und miteinander im Kontakt zu bleiben!
  • Idealerweise suchen Sie sich eine Praxis und eine Apotheke Ihres Vertrauens, in der Ihre Rezepte fortlaufend gespeichert werden, um eine höchstmögliche Sicherheit vor Wechselwirkungen zu haben und mögliche Kontraindikationen zu dokumentieren.
  • Die kompetente Behandlung auch mehrerer gleichzeitig bestehender Erkrankungen in höherem Lebensalter ist nicht ganz einfach und kann von Tipps aus dem Bekanntenkreis, Informationen im Internet oder Eigenmedikation "wie in jungen Jahren" nicht unbedingt ersetzt werden. Ihre Erfahrungen, Ihre Wünsche und Ihre Ziele gehören aber  unabdingbar in den Mittelpunkt der Behandlung, weil nur so eine *gute* Behandlung gelingen kann.
  • Bringen Sie sich ein, stellen Sie Ihre Fragen zur Behandlung und lassen Sie sich verständlich erklären, was Sie warum und wie einnehmen.
  • Je älter Sie werden, desto legitimer ist es auch beim Vorliegenden mehrerer chronischer Erkrankungen, ab und an mal nachzufragen, ob man nicht ein Dauermedikament absetzen könnte.
 
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Unsere Gesundheitsexpertin

Unsere medizinischen Fachtexte werden von Anke Prczygodda verfasst.

Anke Prczygodda ist Fachärztin für Allgemeinmedizin in Kiel und hat sich speziell für den Bereich ambulante geriatrische Rehabilitation qualifiziert.
Unsere Texte stammen also aus der Feder einer ausgewiesenen Expertin für Altersheilkunde.

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