Ischias - Rückenschmerzen im Bereich des Ischias sind schmerzhaft

Ischias

Rückenschmerzen am Ischias

"Ich habe Rücken!" oder "Mein Ischias bringt mich um!" gehört zu den besonders unangenehmen Erscheinungen des großen Gebietes der Rückenschmerzen und macht meist einen akuten Arztbesuch notwendig.

Besonders nach einer "falschen Drehung" aus einer Rumpfbeugung heraus (gerne bei dem Versuch, etwas Schweres aus einem Auto zu heben oder aus einem unteren Regalfach ans Tageslicht zu bringen) oder nach dem Tragen schwererer Lasten oder einem Anfall von produktiver Gartenarbeit, wird das Aufrichten plötzlich durch akute Schmerzen unmöglich und die heftigen Schmerzen ziehen dann auf der Rückseite eines Beines entlang.

Der Ischiasnerv entspringt auf Höhe der Lendenwirbelsäule über den Nervenfasern aus mindestens drei Wirbelkörpern und vereinigt sich dann zu einem erstaunlich dicken Bündel. Er ist der breiteste / dickste Nerv unseres Körpers und auch der längste, sodass er natürlich auch die meiste Angriffsfläche für Schädigungen gibt.

Die oben geschilderte Dreh- und Beugebewegung kann dazu führen, dass akut ein kleines Wirbelgelenk dicht neben dem Nerv liegend blockiert und die anschließende Muskelverspannung und Dehnung in diesem Bereich auch den Ischiasnerv berührt, sodass starke Schmerzen ausgelöst werden.

Auch ein akuter großer Bandscheibenvorfall, bei dem vielleicht sogar ein Teil der Bandscheibe abgerissen ist, kann dann mit diesem Bruchstück auf die Nervenfasern drücken, wobei diese Erkrankung wesentlich seltener ist als die lokale Verspannung mit den folgenden Schmerzen.

Behandlungsmöglichkeiten bei Ischiasbeschwerden

Ein typischer Reflex bei Ischiasschmerzen ist "dann geh ich zum Arzt und hol mir eine Spritze!"; denn die akute Verabreichung eines Schmerzmittelns (oft gepaart mit einer kleinen Dosis Cortison, um durch eine Abschwellung in dem Bereich, in dem sich rund um die verkrampfte Muskulatur sehr rasch eine Wasseransammlung, ein Ödem, gebildet hat, Linderung und "weniger Druck auf den Ischiasnerven" zu schaffen) kann erstaunlich schnell Linderung bringen. 

Allerdings ist die Gabe einer Spritze nicht besser oder effektiver als die Einnahme der gleichen Wirkstoffe in Tablettenform und birgt zudem die (zugegeben seltene aber fatale) Gefahr eines Spritzenabszesses (großflächige Vereiterung rund um die Einstichstelle der Spritze in der Tiefe der Muskulatur), sodass heute vermehrte Tabletten und Tropfen eingesetzt werden.

 Dabei ist einer der Wirkstoffe oft ein Schmerzmittel aus der Gruppe der NSA (nichtsteroidale antirheumatische Substanzen) wie Ibuprofen oder Diclofenac, das bei bekannter Magenempfindlichkeit, sehr hohem Lebensalter oder bekannter Nierenschwäche nicht eingenommen werden darf. Alternativ kann ein Schmerzmittel wie Novaminsulfon oder Tramadol eingesetzt werden.

Dazu kann zur Entspannung der Muskulatur ein Wirkstoff wie Tetrazepam gegeben werden, der die Muskulatur stark entspannt.

Tetrazepam ist ein Abkömmling der großen Gruppe der Benzodiazepine, deren bekanntester Vertreter das starke Beruhigungsmittel Valium ist. Während Valium sehr stark beruhigt, sehr müde macht und etwas die Muskulatur entspannt, ist beim Tetrazepam der Schwerpunkt anders gelagert und es wirkt stark muskelentspannend und mäßig beruhigend und ermüdend. Trotzdem sollte diese

Medikation erst abends direkt vor dem Schlafengehen eingenommen werden und dann auch nur über wenige Tage verordnet werden; denn benzodiazepinhaltige Medikamente haben grundsätzlich eine hohe Suchtgefahr! Das ist über die Gabe von fünf, zehn oder zwanzig Tagen noch nicht problematisch, sollte aber eher nicht in Dauerverordnungen münden.

Verschiedene Krankheitsbilder

Bei den Schmerzen im Bereich des Ischiasnervs sollte man zwischen den kurzfristigen akuten "Attacken" einer Reizung und einer längerfristigen Schmerzerkrankung unterscheiden.  

Die oben geschilderte falsche Bewegung oder die schwere Gartenarbeit mit dem akuten heftigen nachfolgenden Schmerz ist meist unter der geschilderten Gabe von Schmerzmedikamenten und einer reichlichen Anwendung von Wärme (Wärmflasche, Dinkelkissen, Kirschkernsäckchen, Heizkissen etc.) und der sogenannten Stufenlagerung (dabei werden größere dicke Kissen wie zum Beispiel die Polster Ihrer Gartenmöbel oder die beweglichen dicken Kissen eines Sofas als Stapel so weit aufgeschichtet, bis Sie Ihre Unterschenkel darauf ablegen können, sodass Hüftgelenk und Kniegelenk jeweils in einem 90°-Winkel gebeugt sind. Durch diese Haltung wird der lange Ischiasnerv entlastet und eine gegebenenfalls vorliegende Dehnung verringert) meist nach wenigen Tagen komplett zurück gebildet und Sie sind nach 7-14 Tagen wieder beschwerdefrei. Meist kennen Sie solche Anfälle von ein bis zwei Schmerzereignissen im Jahr schon länger und begeben sich rasch in Behandlung und sind ebenso rasch wieder schmerzfrei.

 Anhaltende Schmerzen den Ischiasnerven entlang, die sich eher schleichend entwickeln, können auf chronische Bandscheibenschäden oder die degenerativen Veränderungen hinweisen, die wir im großen Feld der Rückenschmerzen ansiedeln.

Hierbei sollten auf Dauer seltene Erkrankungen wie Entzündungen oder Tumore ausgeschlossen werden, wozu vermutlich bei länger bestehenden Schmerzen eine Kernspin-Untersuchung (MRT) bei Ihnen angesetzt und durchgeführt wird. 

Je nach Befund kann bei einer Bedrängung des Ischiasnervs durch einen Bandscheibenvorfall oder eine Bildung von Randzacken (kleinen scharfkantigen 

Knochenvorsprüngen) an einem Wirbelkörper auch eine Operation notwendig werden. Vielleicht liegt auch eine Verengung des Spinalkanals (=Spinalstenose) bei Ihnen vor, die unter bestimmten Umständen ebenfalls operiert wird.

Der weitaus größere Teil der chronischen Ischiasbeschwerden wird durch Physiotherapie ("Krankengymnastik") aber auch die Empfehlung für Warmwasserbaden oder Aqua-Gymnastik und tägliche kurze gymnastische Übungen zu Hause deutlich gelindert.
Auch die bunten länglichen Pflaster (Tapes), die Sie inzwischen häufiger mal auf der Straße unter einem T-Shirt oder einer Bermuda herausblitzen sehen, können an der Lendenwirbelsäule eingesetzt werden.
Außerdem wird erfolgreich das TENS-Gerät, eine Reizstrombehandlung für zu Hause, die mit kleinen Klebeelektroden aus weichem Kunststoff funktioniert, angewandt. Auch Akupunktur kommt hier zum Einsatz und lindert bei vielen Betroffenen die Schmerzen.  

Ergänzend kann dann auch eine medikamentöse Schmerzlinderung eingesetzt werden, die je nach Höhe und Art der Schmerzen verschiedene Medikamente umfassen kann.

 Während ein akuter Anfall von Ischiasschmerzen ja meist aus voller Aktivität heraus geschieht und dann eine gewisse Ruhephase zum Abklingen braucht, ist es bei den chronischen Ischiasschmerzen oft gerade angezeigt, die Mobilität nicht vollständig aufzugeben und trotz der Schmerzen in Bewegung zu bleiben, wobei langsame Bewegungsformen verbunden mit Wärme, Entspannungsübungen und Schmerzmedikation erreichen können, dass Sie weniger Schmerzen haben und aktiver bleiben können.  

Je länger die Schmerzen bestehen und je mehr Sie in Ihren Alltagsaktivitäten eingeschränkt sind, desto eher sollte einmalig eine umfangreiche Diagnostik erfolgen, um herauszufinden, welche Strukturen genau an diesem Krankheitsbild beteiligt sind und wie die beste Behandlungsform dann aussehen kann. Dazu werden neben Ihrem Hausarzt unter Umständen die Fachärzte aus den Gebieten der Orthopädie, Neurologie, Neurochirurgie und speziellen Schmerztherapie hinzugezogen, da eine Arbeit im Team, bei der die Spezialisten der jeweiligen Fachgebiete zusammenarbeiten, die besten Ergebnisse für Sie bieten sollte. 

 
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Unsere medizinischen Fachtexte werden von Anke Prczygodda verfasst.

Anke Prczygodda ist Fachärztin für Allgemeinmedizin in Kiel und hat sich speziell für den Bereich ambulante geriatrische Rehabilitation qualifiziert.
Unsere Texte stammen also aus der Feder einer ausgewiesenen Expertin für Altersheilkunde.

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