Rheuma und Rheumatismus bei Senioren

Rheuma / Rheumatismus

Zu kaum einem medizinischen Begriff gibt es so viel Verwirrung wie zu "Rheuma". 

Landläufig werden Schmerzen an Knochen und Gelenken (vor allem an den Händen) in etwas fortgeschrittenem Lebensalter mit "ich habe Rheuma" bezeichnet und dann erinnert sich der oder die Betroffene gleich an "einen schweren Rheumafall, der im Rollstuhl endete". 

So brauchen wir zuallererst eine grundlegende Unterscheidung: Das "echte" Rheuma oder Gelenkrheuma, die rheumatoide Arthritis ist (nur) eine von diversen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, die allesamt eine Entzündungsreaktion unter dem Mikroskop aufweisen, aber nicht sämtlich Gelenkschmerzen auslösen. 

Demgegenüber stehen die degenerativen, also durch Verschleiß bedingten, Gelenkerkrankungen (= Arthrose) der kleineren oder größeren Gelenke, die in bestimmten Lebensphasen auch eine entzündliche Komponente haben können (man spricht dann von einer "aktivierten Arthrose") und denen keine Autoimmunerkrankung zugrunde liegt, sondern die im Rahmen des Älterwerdens auftreten. 

Was sich hier schon etwas "unsortiert" liest, ist tatsächlich nicht ganz einfach auseinanderzuhalten und für Sie als betroffenen Laien sicher eher unübersichtlich!

Verschiedene rheumatische Erkrankungen

"Echtes" Rheuma

Der insgesamt sehr inhomogenen Gruppe der "echten" rheumatischen Erkrankungen liegt immer eine Störung des Immunsystems zugrunde, sodass das Abwehrsystem sehr pauschal bestimmte Strukturen im eigenen Körper als "fremd" einordnet und dadurch angreift und bekämpfen will. In einem großen Teil rheumatischer

Erkrankungen spielt sich dieser Mechanismus an den größeren oder kleineren Blutgefäßen ab oder am Bindegewebe mit seinem Kollagen oder an beidem.

Da Gefäße und Bindegewebe in allen Organen des menschlichen Körpers benötigt werden und verarbeitet sind, können die Symptome also sehr umfassend sein und den ganzen Körper betreffen. 

Beim klassischen Gelenkrheuma, der rheumatoiden Arthritis oder RA (früher auch PCP = primär chronische Polyarthritis genannt) findet diese überschießende Immunreaktion genau an der Grenzfläche zwischen Gelenkknorpel und Gelenkraum statt und führt nach und nach zu einer Zerstörung des glatten Gelenkknorpels und der Gelenkflächen bis hin zur Deformierung und Funktionslosigkeit eines oder mehrerer Gelenke. 

Bei anderen rheumatischen Erkrankungen wie dem Lupus Erythematodes, dem Morbus Bechterew oder der Dermatomyositis sind entweder Gefäße im ganzen Körper oder fast isoliert die Gelenke der Wirbelsäule oder die Gefäße der Muskulatur und Haut betroffen.

„Falsches“ Rheuma

Einige Erkrankungen, die der Volksmund auch Rheuma nennt, die aber letztlich einen grundsätzlich anderen Entstehungsmechanismus haben:
Die degenerativen Gelenkerkrankungen, auf die wir teilweise in der Rubrik Rückenschmerzen eingehen, entstehen grob gesagt durch Abnutzung und Fehlbelastungen unserer Gelenke. Es entsteht eine Arthrose, wenn der glatte Gelenkknorpel, der "das glatte Laufen" eines Gelenks ermöglicht, nach und nach aufgerieben wird und abnutzt, sodass letztlich nun rauer Knochen an rauem Knochen reibt, wenn man das Gelenk bewegt. Das schmerzt eindeutig!

Und diese mechanische Überbelastung kann nun zu allem Unglück dazu führen, dass Entzündungsreaktionen entstehen.

Diesmal nicht, weil das Abwehrsystem fehlfunktioniert, sondern weil die Rauigkeit durch den fehlenden Knorpel tatsächlich einen "Schaden" darstellt, den der Körper mithilfe der Entzündungsreaktion "reparieren" möchte. 

Wenn eine solche Arthrose sich also leicht entzündet darstellt, spricht man von einer aktivierten Arthrose und verordnet ebenfalls entzündungshemmende Medikamente, die NSAR (s.o.) und kann in sehr schweren Fällen und bei starken Schmerzen auch kurzfristig und relativ niedrig dosiert Cortison einsetzen. 

Kein Wunder also, wenn die Symptome und die Behandlung dieser beiden unterschiedlichen Erkrankungen sich teilweise so sehr ähneln, dass "Rheuma" und "Rheuma" so häufig miteinander verwechselt werden! 

Wenn die Arthrose viele Gelenke betrifft, spricht man von einer Polyarthrose - auch hier war die Abgrenzung zu der Zeit, als man das "echte" Rheuma noch PCP, also primär chronische Polyarthritis, genannt hat, besonders schwer, weil sich die Worte sehr ähneln.

Für die Arthrose und die Polyarthrose, also den Gelenkverschleiß, gilt: Physiotherapie in Form von Krankengymnastik, Kälteanwendung (im akut aktivierten, also entzündlichen Fall), Wärme-Anwendung (in der Dauerbehandlung zur Linderung der unter Umständen chronisch bestehenden Schmerzen), Ergotherapie, wenn vor allem die Hände betroffen sind, um die Beweglichkeit der Finger zu erhalten und Entspannungstechniken haben bei beiden Formen der Gelenkerkrankungen ihren festen Platz, um den Betroffenen möglichst viel Schmerzlinderung und Lebensqualität zu erhalten.

Rheuma diagnostizieren

Das Fatale an den "echten" rheumatischen Erkrankungen ist, dass sie untereinander so viele Mischformen und Varianten ein und derselben Erkrankung bilden können, dass es manchmal schwierig ist, eine korrekte Diagnose zu stellen (die wiederum natürlich zu einer bestmöglichen Behandlung führen sollte und könnte, d.h. es ist ja nicht nur von akademischem Interesse zu erfahren, an welcher Krankheit ein Betroffener leidet, sondern notwendig, um die bestmöglichen Medikamente einzusetzen!).

Zur Diagnostik einer dieser rheumatischen Erkrankungen gehören eine ausführliche Anamnese (Befragung nach Symptomen, Auftreten, Häufigkeit, Dauer usw.) und körperliche Untersuchung und dann sehr aufwendige Laboruntersuchungen.

In vielen Fällen wird Sie Ihr Hausarzt oder Ihre Hausärztin an einen niedergelassenen Rheumatologen oder eine rheumatlogische Ambulanz in einem Krankenhaus überweisen.

Denn nicht einmal die Laboruntersuchungen sind immer und auf Anhieb eindeutig und stiften manchmal zusätzliche Verwirrung: es gibt sogenannte seronegative Rheumafälle, bei denen alle Faktoren, die für ein Rheuma sprechen, positiv sind

(inklusive typischer Befunde in Röntgenaufnahmen oder bei einer Szintigraphie, einem CT oder einer MRT) mit Ausnahmen der dazu "passenden" Blutwerte und es gibt Menschen mit positiven Rheuma-Blutwerten, die keinerlei Beschwerden oder Symptome im Sinne eines Rheumas haben.

Wenn die Diagnose eines Rheumas oder - weiter gefasst - einer Erkrankung aus dem Rheumatischen Formenkreis (alternativ "eine Kollagenose") steht, wird es Zeit für die richtige Behandlung.

 
Vivemus durchsuchen
Vivemus Buchtipp
Unsere Gesundheitsexpertin

Unsere medizinischen Fachtexte werden von Anke Prczygodda verfasst.

Anke Prczygodda ist Fachärztin für Allgemeinmedizin in Kiel und hat sich speziell für den Bereich ambulante geriatrische Rehabilitation qualifiziert.
Unsere Texte stammen also aus der Feder einer ausgewiesenen Expertin für Altersheilkunde.

Erben & Vererben
Vererben durch Schenkung

Finanztipps für Senioren. Was gibt es bei Schenkungen an Familienangehörige und andere Erben zu beachten?

Versicherungen für Senioren
Zusatzverischerungen für Senioren

Zahnbehandlungen zusätzlich versichern - Das Thema Zahnzusatzversicherung für Senioren bei Vivemus!

Tipps & Infos bei Vivemus
Sport für Senioren
Fitnesstraining für Senioren

Bleiben Sie auch als Senior fit und aktiv!
Vivemus stellt die Sportart Fitnesstraining vor. Lernen Sie wie es richtig geht!

Unterstützung im Alltag
Pflegeangebote für Senioren nutzen

Rechtzeitig einen Platz sichern und im Bedarfsfall Hilfe erhalten - Tagespflege-Plätze sind begehrt. Vivemus informiert über Tagespflege und Alternativen.

Reisetipps für Senioren
  • Regelmäßige Ausflüge können einen Urlaub ersetzen
  • Vorsicht, nicht jede Kaffeefahrt hält, was sie verspricht!
  • Flusskreuzfahrten sind die ideale Vorbereitung auf eine "große" Kreuzfahrt
  • Zur Kur oder in den Urlaub nach Baden-Baden fahren
  • Die Reiseapotheke sollte bei der Urlaubsplanung nicht vergessen werden
Kategorie Fit & Aktiv
Hinweis:

Die Inhalte auf www.vivemus.de sollen lediglich zur Information dienen.
Sie können auf keinen Fall die professionelle Beratung und Behandlung durch einen ausgebildeten Arzt ersetzen.
Die Inhalte die auf der Seite www.vivemus.de zur Verfügung gestellt werden, können und dürfen daher nicht verwendet werden, um Diagnosen zu erstellen oder Behandlungen zu begründen und zu beginnen.