Harninkontinenz - Unfähigkeit Urin zu halten

Harninkontinenz

Die "Unfähigkeit, dicht zu halten" als Urin- oder Stuhlinkontinenz kann zu den eindeutig unangenehmen Erscheinungen des Älterwerdens gehören. Definitionsgemäß ist schon der unfreiwillige Abgang eines einzigen Tropfen Urins als Urininkontinenz zu werten und kann bei Frauen durchaus schon in den Vierzigern vorkommen. 

Stressinkontinenz

Eine gefüllte Blase beim Niesen, Husten oder beim Heben einer schweren Last kann schon frühzeitig etwas Urin verlieren, wenn eine Frau mehrere Schwangerschaften hatte und die Kinder spontan zur Welt kamen. 

Diese Form nennt man Belastungs- oder Stressinkontinenz und sie macht einen großen Teil der Harn-Inkontinenzerkrankungen aus.

Als Behandlung in der leichteren Form kommt vor allem Beckenbodengymnastik infrage und auch eine Normalisierung des Körpergewichts (bei vorausgehendem Übergewicht) hilft, den Druck auf den Beckenboden und damit auf den Verschlussmuskel der Blase zu verringern. 

Bei ausgeprägter Symptomatik (Abgang von Urin schon beim Aufstehen oder im Liegen beim Wenden von rechts nach links oder beim Aufrichten) kann man über eine Operation nachdenken: Es wird ein weiches Band aus Silikon wie eine Schlaufe um den Balsenhals mit der Schließmuskulatur herumgeführt, das dann den Blasen Schließmuskel unterstützen und so die Blase abdichten soll. So können etwa 3/4 der fortgeschrittenen Stress-Inkontinenzen sinnvoll angegangen werden.

Bei Männern ist diese Form der Inkontinenz hingegen eher selten: eigentlich nur bei Verletzungen oder vorausgegangenen Operationen am Beckenboden kommt es zu einem unzureichenden Abschließen der Muskulatur am Blasenhals.  

Dranginkontinenz / Urge Inkontinenz

Es gibt eine zweite große Gruppe an Inkontinenzerkrankungen: die Drang- oder Urge Inkontinenz, die inzwischen auch OAB (overactive bladder = überaktive Blase) genannt wird. 

Hierbei ist die Nervenversorgung von und zur Harnblase durch degenerative Veränderungen, also einen altersbedingten Abbau,gestört. Erkrankungen, die diesen degenerativen Abbau beschleunigen, sind vor allem der Diabetes mellitus, wiederholte Entzündungen oder eine Demenz

Wenn eher die sensiblen Nerven, also das Gefühl für die Blasenfüllung, betroffen ist, merken die Betroffenen nicht, dass die Blase voll ist und vergessen dementsprechend, die Toilette aufzusuchen.

Ist vorwiegend der motorische Teil des Nervs, also die Muskulatur betroffen, verkrampft sich der Muskel, der die Blasenentleerung aktiv unterstützt durch Zusammenziehen der Blase und befördert daher ständig Urin zum Blasenhals Richtung Ausgang. 

Diese verkrampfte Blasenmuskulatur kann durch Medikamente entspannt werden, sodass für die Drang Inkontinenz überwiegend medikamentöse Behandlungsformen eingesetzt werden.  

Überlaufinkontinenz

Bei einer weiteren großen Zahl von Inkontinenz Betroffenen liegt eine Überlaufinkontinenz vor und betrifft hier überwiegend die Männer:

Die zunehmende Vergrößerung der Prostata (Vorsteherdrüse) vom jungen Erwachsenenalter bis in ein hohes Lebensalter führt dazu, dass die Harnröhre, die mitten durch die Prostata hindurchläuft, verengt wird. Nun kann der Urin nicht vollständig abfließen und staut sich ständig in die Harnblase zurück, während die Muskulatur im Inneren der Harnblase als Gegenpart laufend versucht, durch Anspannung und Bewegung den Urin "herauszupressen". Damit verdickt sich die Blasenwand und im Extrem kann sich der nicht abfließende Urin bis in die Harnleiter und Nierenbecken zurückstauen und dort die Nieren ernsthaft schädigen.  

Damit diese gravierende Form der Harnstauungsnieren möglichst nicht mehr vorkommt, sollten Männer von dem Zeitpunkt an, an dem sie eine Abschwächung des Harnstrahls beim Wasserlassen bemerken, urologische Kontrollen und Vorsorgen wahrnehmen; denn eine frühzeitig einsetzende Behandlung kann hier Schlimmeres verhüten. Ein medikamentöser Versuch, das weitere Wachstum der Prostata zu bremsen kann hier ebenso erwogen werden wie die Entfernung oder Verkleinerung der Prostata durch verschiedene operative Verfahren, die auch den Einsatz von Laser beinhalten können.

In sehr hohem Lebensalter wird man vielleicht eher auf eine Operation verzichten und dafür einen Dauerkatheter anlegen, damit der Urin ungehindert abfließen kann. 

Reflex-Inkontinenz

Eine vierte Form von Inkontinenz betrifft vor allem die Menschen, die entweder eine Verletzung des Rückenmarks erlitten haben (Querschnittslähmung) oder an einer Erkrankung des Rückenmarks leiden (zum Beispiel Multiple Sklerose, auch Encephalitis disseminata genannt).

Hier können entweder die Muskeln, die die Blase entleeren, überaktiv oder die Muskeln, die die Blase verschließen, zu wenig aktiv sein, sodass verschiedene Formen dieser sogenannten Reflex-Inkontinenz vorliegen können. 

Harninkontinenz behandeln lassen

Da heutzutage in den meisten Fällen eine vorliegende Urininkontinenz sinnvoll behandelt oder deutlich gelindert werden kann, sollten Sie beim Auftreten von spontanem Urinabgang einen Arzt, bevorzugt einen Urologen aufsuchen, damit eine sachgerechte Behandlung stattfinden kann.

Sie werden sich wieder besser und sicherer führen, wenn sich die Inkontinenz vermindert oder wenn Sie Hilfsmittel und Behandlungsmöglichkeiten gezielt einsetzen und damit wieder mehr Lebensfreude und Wohlbefinden haben.

 
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Unsere medizinischen Fachtexte werden von Anke Prczygodda verfasst.

Anke Prczygodda ist Fachärztin für Allgemeinmedizin in Kiel und hat sich speziell für den Bereich ambulante geriatrische Rehabilitation qualifiziert.
Unsere Texte stammen also aus der Feder einer ausgewiesenen Expertin für Altersheilkunde.

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